Geschichte Tutorium Romina

Friday, January 13, 2006

hallo

Boas und Nachfolger
Charakterisiere den Ansatz der durch Boas inspirierten, nordamerikanischen Anthropologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wodurch zeichnet sich eine relativistische Haltung in der anthropologischen Forschung aus und wie versuchten die NachfolgerInnen dieser Richtung diesen Ansatz weiterzuentwickeln?


Franz Boas gilt als Vater der amerikanischen Anthropologie, dessen Schüler er über 2 Generationen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein lehrte. Er war der Begründer der institutionellen Anthropologie in den USA, die in verschiedenen Museen und staatlichen Organisationen ihren Ursprung hatte. Er wurde im Jahre 1858 in Deutschland geboren. Nach seiner Ausbildung unternahm er seine erste Feldforschung zu den Inuits auf den Baffin Islands. Von 1896- 1936 lehrte er an der Columbia University, die zu einem Zentrum für anthropologische Wissenschaft wurde. Er kam weg von den evolutionistischen Gedanken, denn seiner Meinung nach waren gegenwärtige Erfahrungen mit diversen Kulturen wichtiger als deren Vergangenheit. Er lehnte im Allgemeinen jede biologische Basis für die Kultur ab. Auch die Sprache als unabhängigen Bestandteil einer Rasse, floss in sein Gedankengut ein.
(Vgl. Bernard, A., 2000, S. 100-102)
Die empirische Forschung, die Feldforschung die immer mehr zu einer der wichtigsten Instanzen der Anthropologie wurde, räumte einen großen Platz in seiner Arbeit ein. Die „Four-Field“ Methode (1. die biologische Anthropologie, 2. die archäologische, 3. die anthropologische Linguistik und die kulturelle Anthropologie) nahm er ergänzend zu seiner Forschung. Wie schon oben erwähnt, war für ihn die Sprache wesentlich, nicht nur um die Texte einer Kultur zu verstehen, denn für ihn war die Sprache der Einstieg in die mentale Beschaffenheit der Einheimischen.
Boas sah die Kultur nicht gleichstehend für Zivilisation. Er gründete die Idee des Kulturrelativismus. Dieser besagt, dass es notwendig ist jede Kultur in ihren eigenen Strukturen und ihrem eigenen geschichtlichen Hintergrund zu kennen bevor man sie vergleichen kann, bzw. war dies seiner Meinung nach nur schwer bis gar nicht möglich. Es kam daher später auch zu einer Unterteilung in den schwachen und starken Kulturrelativismus. Für ihn war jede Kultur einzigartig und je nachdem unterschiedlich zu untersuchen. Alle Kulturen sind in ihrer Beschaffenheit gleich, werden jedoch durch Kontexte und Umwelt geprägt. Er deutet auch auf die Mehrzahl von Kulturen hin.

Boas Studenten griffen seine Ideen auf und verarbeiteten sie weiter. Man kann sie grob in zwei Gruppen gliedern, die auf zwei wichtige Paradigmen von Boas Denkweisen eingehen, auf die historische und auf die psychologische.
Die erste Generation, die er vor dem ersten Weltkrieg lehrte, ging vor allem auf die nachvollziehbaren Prozesse die man heranziehen kannfür die Verbreitung kultureller Charakterzüge, ein.
Die darauf folgende befasste sich mit dem psychologischen Aspekt, indem sie untersuchten, wie individuelles Denken sich in verschiedenen Kulturen unterscheidet und wie verschiedene Charakterzüge zusammenpassen. Unter ihnen waren die Begründer einer „Cultural- and Personality-Orientation“, die Vorreiter einer psychologischen Anthropologie.
Es gibt auch noch eine dritte Generation, in den 30er Jahren, die diese beiden Aspekte zusammenführt, doch viele beschäftigten sich damals mit zeitgenössischen Themen.

Zu den Schülern der ersten Generation zählen unter anderem Alfred Kroeber, der ein neues Institut an der University of California in Berkeley gründet, Robert Lowie, Frank Speck und Edward Sapir. Doch auch schon unter ihnen kam es zu unterschiedlichen Auslegungen von Boas Ansätzen.

Kroeber zum Beispiel zählte zu den Vertretern des harten Kulturrelativismus. In seinem Werk „The Superorganic“, 1917, schreibt er über die absolute Unabhängigkeit kultureller Strukturen vom Organischen. Das Überorganische einer Kultur bezieht sich auf einige Schlüsselsymbole, die eine Kultur ausmachen. Man kann Kultur nur anhand inner-kultureller Prozesse verstehen und muss die äußeren Faktoren auslassen. Daraus folgt, dass verschiedene Ethnien nicht miteinander vergleichbar sind.
Sapir konzentrierte sich im Gegensatz dazu mehr auf Entwicklung der linguistischen Anthropologie. Ihn interessierten vor allem die Beziehungen zwischen der Kultur und dem Individuum. Für ihn war Sprache von kulturellen Bedürfnissen abhängig. Er gründete mit seinem Schüler Benjamin Whorf die so genannte „Sapir-Whorf“- Hypothese. Sie meinten, dass die semantischen Strukturen verschiedener Sprachen komplett unvergleichbar waren und dass diese ihre Sprache anhand von der Erfahrung mit der Umwelt ausformen. Als nächstes versuchten sie zu überprüfen, ob diese linguistischen Strukturen, aufgrund unterschiedlicher Weltbilder, sich verschieden auslegen. Seine Theorie hatte zu seiner Zeit einen großen Einfluss, wurde aber in den 60ern immer mehr kritisiert.

Für die nächste Generation sind vor allem Ruth Benedict, Margaret Mead, Irving Halowell und Clyde Kluckholm zu erwähnen.
Sie beziehen sich vor allem auf den psychologischen Aspekt von Boas Denkweisen und waren teilweise beeinflusst von Freuds Psychoanalyse. Die Mitglieder dieser Richtung waren die Begründer der, wie schon oben erwähnten, „Cultur- and Personality“- Schule. Sie waren nicht mehr an der Geschichte einer Gesellschaft interessiert, sondern untersuchten die Beziehung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Der Reihe von Forschern gehörte eine große Anzahl von Frauen an. Vor allem Benedict und Mead spielten eine große Rolle.
Erstere wurde sehr von Sapirs Gedanken über die Verbindung von Gesellschaft und Individuum beeinflusst, wobei sie ihren Schwerpunkt auf die Kultur legte. Sie versuchte herauszufinden wie eine Kultur individuelles Handeln beeinflussen kann. In ihrem Hauptwerk „Patterns of Culture“ betont sie, dass jede Kultur einer Anzahl von Wesensmerkmalen entspricht, die sich dementsprechend auf das Wesen der Personen auswirken. Das individuelle Schicksal hängt davon ab, wie gut sich eine Person in ihre Kultur einleben kann.
Mead war eine große Feldforscherin, vor allem in Polynesien und im Pazifik und war auch eine der Mitbegründerinnen der psychologischen Anthropologie.
Zu dieser Zeit erlebte der Kulturrelativismus seinen Höhepunkt. Man konnte ihn eingliedern in einen schwachen und einen starken. Der schwache galt als Vorraussetzung der Boas’schen Anthropologie; dass sich eine Kultur nur durch ihre eigenen Bedingungen erklären lässt. Er lässt den Vergleich mit anderen Kulturen jedoch schon teilweise zu. Der starke hingegen meint, dass sich Kulturen nur durch sich selbst verstehbar machen und so jede einzigartig und besonders ist. Dieser hatte in späteren Jahrzehnten einen großen Wideraufschwung.


Noch kurz zu der dritten Generation von Boas Schülern in den 30er Jahren. Zu dieser Zeit herrschte in den USA die Phase der Depression. Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs standen die meisten anthropologischen Wissenschafter unter politischer Federführung. Unter ihnen fand man unter anderem Oscar Lewis, Alexander Lesser, Gene Weltfish und Irving Goldman. Sie alle beschäftigten sich mehr mit politischen Themen als ihre Vorgänger und bezogen mehr ökonomische Aspekte in ihre Arbeit ein. Einige von ihnen fingen auch an die romantische Sichtweise der Ethnographie der 1920er Jahre zu kritisieren.
(Vgl. SILVERMAN, S., 2005, S. 258-271)




Literaturliste:

Barnard, Alan (2000): History and Theory in Anthropology, Cambridge, University Press

Barth Frederik, Gingrich Andre, Parkin Robert, Sydel Silverman (2005): One Discipline, Four Ways: British, German, French and American Anthropology, Chicago, The University of Chicago Press

Internetquellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturrelativismus (Zugriff am 11.01.2006)
http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Boas (Zugriff am 11.01.2006)
www.rzuser.uni-heidelberg.de/%7Etirrste/info.html.#edward_sapir (Zugriff am 12.11.2006)

Boas und Nachfolger
Charakterisiere den Ansatz der durch Boas inspirierten, nordamerikanischen Anthropologie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wodurch zeichnet sich eine relativistische Haltung in der anthropologischen Forschung aus und wie versuchten die NachfolgerInnen dieser Richtung diesen Ansatz weiterzuentwickeln?


Franz Boas gilt als Vater der amerikanischen Anthropologie, dessen Schüler er über 2 Generationen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein lehrte. Er war der Begründer der institutionellen Anthropologie in den USA, die in verschiedenen Museen und staatlichen Organisationen ihren Ursprung hatte. Er wurde im Jahre 1858 in Deutschland geboren. Nach seiner Ausbildung unternahm er seine erste Feldforschung zu den Inuits auf den Baffin Islands. Von 1896- 1936 lehrte er an der Columbia University, die zu einem Zentrum für anthropologische Wissenschaft wurde. Er kam weg von den evolutionistischen Gedanken, denn seiner Meinung nach waren gegenwärtige Erfahrungen mit diversen Kulturen wichtiger als deren Vergangenheit. Er lehnte im Allgemeinen jede biologische Basis für die Kultur ab. Auch die Sprache als unabhängigen Bestandteil einer Rasse, floss in sein Gedankengut ein.
(Vgl. Bernard, A., 2000, S. 100-102)
Die empirische Forschung, die Feldforschung die immer mehr zu einer der wichtigsten Instanzen der Anthropologie wurde, räumte einen großen Platz in seiner Arbeit ein. Die „Four-Field“ Methode (1. die biologische Anthropologie, 2. die archäologische, 3. die anthropologische Linguistik und die kulturelle Anthropologie) nahm er ergänzend zu seiner Forschung. Wie schon oben erwähnt, war für ihn die Sprache wesentlich, nicht nur um die Texte einer Kultur zu verstehen, denn für ihn war die Sprache der Einstieg in die mentale Beschaffenheit der Einheimischen.
Boas sah die Kultur nicht gleichstehend für Zivilisation. Er gründete die Idee des Kulturrelativismus. Dieser besagt, dass es notwendig ist jede Kultur in ihren eigenen Strukturen und ihrem eigenen geschichtlichen Hintergrund zu kennen bevor man sie vergleichen kann, bzw. war dies seiner Meinung nach nur schwer bis gar nicht möglich. Es kam daher später auch zu einer Unterteilung in den schwachen und starken Kulturrelativismus. Für ihn war jede Kultur einzigartig und je nachdem unterschiedlich zu untersuchen. Alle Kulturen sind in ihrer Beschaffenheit gleich, werden jedoch durch Kontexte und Umwelt geprägt. Er deutet auch auf die Mehrzahl von Kulturen hin.

Boas Studenten griffen seine Ideen auf und verarbeiteten sie weiter. Man kann sie grob in zwei Gruppen gliedern, die auf zwei wichtige Paradigmen von Boas Denkweisen eingehen, auf die historische und auf die psychologische.
Die erste Generation, die er vor dem ersten Weltkrieg lehrte, ging vor allem auf die nachvollziehbaren Prozesse die man heranziehen kannfür die Verbreitung kultureller Charakterzüge, ein.
Die darauf folgende befasste sich mit dem psychologischen Aspekt, indem sie untersuchten, wie individuelles Denken sich in verschiedenen Kulturen unterscheidet und wie verschiedene Charakterzüge zusammenpassen. Unter ihnen waren die Begründer einer „Cultural- and Personality-Orientation“, die Vorreiter einer psychologischen Anthropologie.
Es gibt auch noch eine dritte Generation, in den 30er Jahren, die diese beiden Aspekte zusammenführt, doch viele beschäftigten sich damals mit zeitgenössischen Themen.

Zu den Schülern der ersten Generation zählen unter anderem Alfred Kroeber, der ein neues Institut an der University of California in Berkeley gründet, Robert Lowie, Frank Speck und Edward Sapir. Doch auch schon unter ihnen kam es zu unterschiedlichen Auslegungen von Boas Ansätzen.

Kroeber zum Beispiel zählte zu den Vertretern des harten Kulturrelativismus. In seinem Werk „The Superorganic“, 1917, schreibt er über die absolute Unabhängigkeit kultureller Strukturen vom Organischen. Das Überorganische einer Kultur bezieht sich auf einige Schlüsselsymbole, die eine Kultur ausmachen. Man kann Kultur nur anhand inner-kultureller Prozesse verstehen und muss die äußeren Faktoren auslassen. Daraus folgt, dass verschiedene Ethnien nicht miteinander vergleichbar sind.
Sapir konzentrierte sich im Gegensatz dazu mehr auf Entwicklung der linguistischen Anthropologie. Ihn interessierten vor allem die Beziehungen zwischen der Kultur und dem Individuum. Für ihn war Sprache von kulturellen Bedürfnissen abhängig. Er gründete mit seinem Schüler Benjamin Whorf die so genannte „Sapir-Whorf“- Hypothese. Sie meinten, dass die semantischen Strukturen verschiedener Sprachen komplett unvergleichbar waren und dass diese ihre Sprache anhand von der Erfahrung mit der Umwelt ausformen. Als nächstes versuchten sie zu überprüfen, ob diese linguistischen Strukturen, aufgrund unterschiedlicher Weltbilder, sich verschieden auslegen. Seine Theorie hatte zu seiner Zeit einen großen Einfluss, wurde aber in den 60ern immer mehr kritisiert.

Für die nächste Generation sind vor allem Ruth Benedict, Margaret Mead, Irving Halowell und Clyde Kluckholm zu erwähnen.
Sie beziehen sich vor allem auf den psychologischen Aspekt von Boas Denkweisen und waren teilweise beeinflusst von Freuds Psychoanalyse. Die Mitglieder dieser Richtung waren die Begründer der, wie schon oben erwähnten, „Cultur- and Personality“- Schule. Sie waren nicht mehr an der Geschichte einer Gesellschaft interessiert, sondern untersuchten die Beziehung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Der Reihe von Forschern gehörte eine große Anzahl von Frauen an. Vor allem Benedict und Mead spielten eine große Rolle.
Erstere wurde sehr von Sapirs Gedanken über die Verbindung von Gesellschaft und Individuum beeinflusst, wobei sie ihren Schwerpunkt auf die Kultur legte. Sie versuchte herauszufinden wie eine Kultur individuelles Handeln beeinflussen kann. In ihrem Hauptwerk „Patterns of Culture“ betont sie, dass jede Kultur einer Anzahl von Wesensmerkmalen entspricht, die sich dementsprechend auf das Wesen der Personen auswirken. Das individuelle Schicksal hängt davon ab, wie gut sich eine Person in ihre Kultur einleben kann.
Mead war eine große Feldforscherin, vor allem in Polynesien und im Pazifik und war auch eine der Mitbegründerinnen der psychologischen Anthropologie.
Zu dieser Zeit erlebte der Kulturrelativismus seinen Höhepunkt. Man konnte ihn eingliedern in einen schwachen und einen starken. Der schwache galt als Vorraussetzung der Boas’schen Anthropologie; dass sich eine Kultur nur durch ihre eigenen Bedingungen erklären lässt. Er lässt den Vergleich mit anderen Kulturen jedoch schon teilweise zu. Der starke hingegen meint, dass sich Kulturen nur durch sich selbst verstehbar machen und so jede einzigartig und besonders ist. Dieser hatte in späteren Jahrzehnten einen großen Wideraufschwung.


Noch kurz zu der dritten Generation von Boas Schülern in den 30er Jahren. Zu dieser Zeit herrschte in den USA die Phase der Depression. Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs standen die meisten anthropologischen Wissenschafter unter politischer Federführung. Unter ihnen fand man unter anderem Oscar Lewis, Alexander Lesser, Gene Weltfish und Irving Goldman. Sie alle beschäftigten sich mehr mit politischen Themen als ihre Vorgänger und bezogen mehr ökonomische Aspekte in ihre Arbeit ein. Einige von ihnen fingen auch an die romantische Sichtweise der Ethnographie der 1920er Jahre zu kritisieren.
(Vgl. SILVERMAN, S., 2005, S. 258-271)




Literaturliste:

Barnard, Alan (2000): History and Theory in Anthropology, Cambridge, University Press

Barth Frederik, Gingrich Andre, Parkin Robert, Sydel Silverman (2005): One Discipline, Four Ways: British, German, French and American Anthropology, Chicago, The University of Chicago Press

Internetquellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturrelativismus (Zugriff am 11.01.2006)
http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Boas (Zugriff am 11.01.2006)
www.rzuser.uni-heidelberg.de/%7Etirrste/info.html.#edward_sapir (Zugriff am 12.11.2006)

Friday, November 25, 2005

Tutorium: Geschichte der Kultur-und Sozialanthropologie Romina Weleba
0311730


Welche Spezifika seines Werkes machen Durkheim zu einem wichtigen Einflussgeber der anthropologischen (bzw. sozialwissenschaftlichen) Theoriebildung des 20. Jahrhunderts?
Worin bestehen die Neuerungen im Denken Durkheims, die spätere Forschungseinrichtungen inspirieren?




Emile Durkheim wurde im Jahr 1858 als Sohn jüdischer Eltern in Epinal geboren. Er begann seine Studienlaufbahn in Paris und fing daraufhin in Bordeaux an zu lehren, wo er auch seine berühmte Zeitschrift Année Social herausbrachte. Später ging er nach Sorbonne, wo er bis an sein Lebensende, 1917, blieb.

Er revolutionierte die Sozialwissenschaften und hatte großen Einfluss in ganz Europa. Auch andere Disziplinen, außerhalb der Sozialwissenschaft, flossen in seine Ideen ein, wobei hier vor allem die Philosophie zu nennen ist.


Ich möchte hier gleich einige seiner Hauptwerke nennen, auf die ich danach eingehen werde:
Division of labor 1893, Suicide 1894, Primitive Classification 1903 (in Zusammenarbeit mit Marcel Mauss) und The Elementary Forms of the Religious Life 1915, welches als das Wichtigste gilt.


In diesem zuletzt genannten Buch befasst er sich mit der Religion und nimmt hier Bezug auf die primitiven Gesellschaften. Als die primitivste Kultur sah er diejenige der Arborigines in Australien an. Was hier vielleicht noch kurz zu erwähnen wäre ist, dass man Durkheim zu den so genannten „Armchair Anthropologists“ zählt, da seine Kenntnisse nicht auf Selbsterfahrung beruhen, sondern auf Werke anderer Autoren.
Aber nun zurück zur Religion. Es kam zu einem Bruch mit der Auffassung der englischen Schule zu diesem Thema,für die diese ein Produkt der menschlichen Psyche war. Für Durkheim basiert sie auf sozialen Fakten. Die Ideen einer Religion stammen aus der Gesellschaft und ist jener Faktor, der Integration, Zusammenhalt und Gemeinschaft sichert.
(Gingrich, 2005)
„The general conclusion of the book which the reader has before him is that religion is something eminently social. Religious representations are collective represenations which express collective realities; the rites are a manner of acting which take rise in the midst of assembled groups and which are destined to excite, maintain, or recreate mental states in these groups.So if the categories are of religious origin, they ought to participate in this nature common to all religious facts; they should be social affaires and the product of collective thought. At least—for in the actual condition of our knowledge of these matters, one should be careful to avoid all radical and exclusive statement- it is allowable to suppose that they are rich in social elements” (Thompson, 1982, S.125,Excerpt from The Elemtary Forms of Religious Life)
Religion bietet den Menschen in einer Gesellschaft Zusammenhalt, aber dazu komme ich noch später.




Eine weitere Funktion für die Religion war das Ritual.
„It was through ritual that knowledge was converted into power, which, for Durkheim, was basically the power of society over individual, and symbols used in the ritual masked this power“ (Parkin, 2005, S.174-175)
"In ritual, he argues,people venerate society itself, as the cosmological order is constructed upon the social order in the minds of its participants” (Barnard, 2000, S. 64)
Eine Gesellschaft bestimmt selbst wann diese Rituale abgehalten werden. Sie sind regelmäßig wiederkehrende Geschehnisse, die sich in Form und Inhalt deutlich vom Alltag unterscheiden und in jeder Gesellschaft vorhanden sind. Natürlich ist die Teilnahme an diesen freiwillig.


Ein weiterer Punkt für Durkheim war die Beziehung zwischen der Gesellschaft und dem Individuum, was ihn zu der Dichotomie zwischen dem Heiligen und dem Profanen führt. Objekte die Teil des spirituellen und religiösen Bereichs waren, wurden als heilig gesehen. Alles was keine religiöse Funktion hatte, galt als profan.
„Furthermore, what was sacred was also what was most likely to be given symbolic form in order to mask ist true nature, which ocurred especially in ritual“ (Parkin, 2005,S.176)
Gesellschaften gehen also weiter und stehen für moralische Gemeinschaften, die uns Werte und Ideen liefern- das Heilige, was größer als das Individuelle oder die Masse ist. „(…)living in society improves us both morally and physically.“ (Parkin, 2005, S.177)


In seinem ersten Werk „The Division of labour in society“ diskutiert er die soziale Solidarität. Er gibt zwei Arten von solidarischen Modelle an: die organische Solidarität und die mechanische Solidarität.
In der organischen Solidarität basiert die Gesellschaft auf einer Arbeitsteilung, wie wir sie in den meisten industrialisierten westlichen Ländern finden. Sie basiert auf der Abhängigkeit eines jeden vom Anderen. Es existiert meist ein autoritäres Organ, das das Leben in der Gesellschaft regelt. Es muss nicht jedes Individuum dieselben Werte oder Interessen vertreten, das System überlebt nur durch die soziale Abhängigkeit. Wenn hier ein Organ ausfällt, fällt der restliche Teil, der damit verbunden ist auch aus.
„In societies where this type of solidarity (mechanical) is highly developed, the individual is not his own master...Solidarity is, literally something which the society possesses." (Giddens, 1972, S. 139)
Anders sieht es bei der mechanischen Solidarität aus. Hier hängt das Leben in Gemeinschaft von einem anderen Organ ab- der Religion und den Ritualen die damit in Verbindung stehen. Dieses Modell findet man in eher unindustrialisierten Regionen. Die Interessen und Arbeiten beruhen meist auf ähnlichen Dingen. Man ist hier nicht mehr von dem Anderen abhängig und das System zerfällt nicht, wenn einer ausfällt, hier ist man aber vom Funktionieren der ganzen Gemeinschaft abhängig.
„There is then, a social strucutre of determined nature to which mechanical solidarity corresponds. What caracterizes it is a system of segments homogeneous and similar to each other. Quite different is the structure of societies where organic solidaritiy is preponderant. They are constituted, not by a repetition of similar, homogeneous segments, but by a system of different organs each of which has a special role, and which are themselves formed of differentiated parts.” (Durkheim, 1933, S.181)


Zum Schluss möchte ich noch ganz kurz auf sein Werk Suicide eingehen. Er untersucht hier viele verschiedene Statistiken, Katholiken, Protestanten, Stadt- Landmenschen, Verheiratet-ledig, jung und alt. Er ging auch auf unterschiedliche Länder ein und fand heraus, dass diese Raten durchwegs konstant sind. Er kam dann zu der Annahme, dass auch der Selbstmord auf sozialer, und nicht individueller Basis beruht.
Thus even this apperently most individual of acts, thetaking of one’s own life, has at its heart a social basic" (Barnard, 2000, S.64)



Emile Durkheim hat bis heute noch großen Einfluss auf die Bereich der Kultur- und Sozialanthropologie, die Soziologie und die Philosophie. Als Beispiel einen glühender Anhänger aus dem als erstes genannten Bereich wäre hier A.R Radcliffe-Brown zu nennen.




Literaturangabe:

Barnard, Alan (2000): History and Theory in Anthropology, Cambridge, University Press

Barth Frederik, Gingrich Andre, Parkin Robert, Sydel Silverman (2005): One Discipline, Four Ways: British, German, French and American Anthropology, Chicago, The University of Chicago Press

Durkheim, Emile (1933): The Division of Labor in Society, translated by George Simpson, New York, The Free Press

Giddens, Anthony (1972): Emile Durkheim:Selected Writings, London, Cambridge University Press

Thompson, Kenneth (1982): Emile Durkheim, London, Travistock Publications

Internetquellen:

http://durkheim.itgo.com/religion.html [Zugriff am 22.11.2005]
http://durkheim.itgo.com/solidarity.html [Zugriff am 22.11.2005]
http://www.relest.uiuc.edu/durkheim/Sumarries/forms.html [Zugriff am 22.11.2005]

Weiters:
Vorlesung „Die Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie“, 16.11.2005, Prof. Gingrich Andre,